
Photovoltaik und negative Strompreise gewinnen im Zuge des Solar-Ausbaus zunehmend an Bedeutung. An einzelnen Tagen entsteht bis zu 90 Prozent des Solarstroms in Phasen mit negativen Börsenpreisen. Die Ursachen sind bekannt, ihre Auswirkungen auf Anlagenbetreiber und die Börsenentwicklung deutlich spürbar.
Negative Strompreise sind längst kein Randphänomen mehr. Mit dem starken Ausbau der Photovoltaik in Deutschland treten sie immer häufiger auf – insbesondere an sonnigen Tagen mit geringer Stromnachfrage. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass an einzelnen Tagen im Jahr 2025 bis zu 90 Prozent der gesamten Solarstrom-Erzeugung in Zeiträumen mit negativen Börsenstrompreisen stattfanden. Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen und zur Ausgestaltung des Strommarkts auf.
Übersteigt das Stromangebot die Nachfrage deutlich, kommt es zu negativen Strompreisen. An der Strombörse bedeutet dies, dass Erzeuger Geld dafür zahlen müssen, ihren Strom ins Netz einspeisen zu dürfen. Besonders häufig tritt dieses Phänomen an Wochenenden und Feiertagen auf, wenn Industrie und Gewerbe wenig Strom verbrauchen, gleichzeitig aber viel Solar- und Windstrom produziert wird.
Photovoltaikanlagen speisen vor allem zur Mittagszeit große Strommengen ins Netz ein. Genau dann ist die Nachfrage jedoch nicht immer hoch genug, um das Angebot aufzunehmen. Da Solarstrom sehr niedrige Grenzkosten hat, wird er unabhängig vom aktuellen Börsenpreis produziert. Das führt dazu, dass Photovoltaik den Strompreis stark nach unten drückt und negative Preise begünstigt.
Zu bedenken ist dabei ebenfalls, dass Photovoltaik im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken kaum steuerbar ist. Anlagen produzieren Strom, sobald die Sonne scheint, unabhängig davon, ob dieser Strom im jeweiligen Moment benötigt wird. Anders als flexible Erzeuger können PV-Anlagen ihre Einspeisung nur begrenzt an Marktsignale anpassen. Dadurch verstärkt sich das Überangebot in ohnehin nachfrageschwachen Stunden, was negative Strompreise weiter begünstigt und die Erlössituation für Solarstrom zusätzlich unter Druck setzt.
Die ausgewerteten Marktdaten zeigen, dass im Jahr 2025 rund 16 Prozent der gesamten Solarstrom-Erzeugung in Deutschland während negativer Strompreise erfolgte. An einzelnen Tagen lag dieser Anteil deutlich höher. Besonders auffällig war ein Pfingstsonntag im Juni 2025, an dem über viele Stunden hinweg negative Börsenpreise verzeichnet wurden und fast 90 Prozent der Solarstrom-Erzeugung in diese Zeiträume fielen.
Dazu schrieb die Bundesnetzagentur in einem Fachbericht:
„So findet sogar bei negativen Börsenpreisen eine Zuführung von Strom in die Verbrauchernetze statt. Bei diesem preisunelastischen Verhalten bezahlen die Kraftwerksbetreiber für die Abnahme ihres Stroms.“
Für Betreiber von Photovoltaikanlagen haben negative Strompreise direkte wirtschaftliche Folgen. Insbesondere Anlagen in der Direktvermarktung sind betroffen, da ihre Erlöse unmittelbar vom Börsenpreis abhängen. Bei länger andauernden negativen Preisen entfällt unter bestimmten Voraussetzungen zudem die EEG-Marktprämie, was zu spürbaren Einnahmeverlusten führen kann.
Ein zentrales Problem ist der sogenannte Kannibalisierungseffekt. Je mehr Photovoltaikleistung installiert ist, desto stärker sinken die Preise genau zu den Zeiten, in denen viel Solarstrom erzeugt wird. Dadurch nimmt der wirtschaftliche Wert jeder zusätzlich erzeugten Kilowattstunde ab, was neue Geschäftsmodelle und Vermarktungsstrategien erforderlich macht.
Besonders betroffen sind Anlagen, die ihren Strom direkt an der Börse vermarkten, da sie die Preisrückgänge unmittelbar spüren. Der Kannibalisierungseffekt kann dazu führen, dass selbst steigende Strommengen nicht automatisch zu höheren Erlösen führen. Für Projektierer und Betreiber bedeutet das, dass klassische Erlösmodelle an ihre Grenzen stoßen und ergänzende Ansätze wie Speicherintegration, langfristige Stromabnahmeverträge oder eine stärkere Ausrichtung auf Eigenverbrauch an Bedeutung gewinnen.
Der zunehmende Anteil negativer Strompreise eröffnet neue Handlungsspielräume für Betreiber von Photovoltaikanlagen, insbesondere durch den Einsatz von Stromspeichern. Batteriespeicher ermöglichen es, überschüssige Solarenergie gezielt zwischenzuspeichern, statt sie zu Zeiten geringer Nachfrage zu niedrigen oder negativen Preisen ins Netz einzuspeisen. Der gespeicherte Strom kann später genutzt werden, wenn die Nachfrage höher und das Preisniveau günstiger ist. Damit tragen Speicher nicht nur zur Stabilisierung der Erlöse bei, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Stromnetze in Zeiten hoher Einspeisung.
Parallel dazu gewinnt der Eigenverbrauch zunehmend an Bedeutung. Je mehr Solarstrom direkt vor Ort genutzt wird, desto geringer ist die Abhängigkeit von kurzfristigen Preisschwankungen an der Strombörse. Insbesondere in Kombination mit Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder intelligentem Energiemanagement lässt sich der Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöhen. Für Anlagenbetreiber bedeutet das eine höhere Planungssicherheit und langfristig stabilere wirtschaftliche Perspektiven – selbst in einem Strommarkt, der zunehmend von Volatilität und negativen Preisen geprägt ist.
Langfristig wird klar, dass der weitere Ausbau der Photovoltaik nur mit einer stärkeren Flexibilisierung des Stromsystems funktionieren kann. Neben Speichern spielen dabei Lastmanagement, Elektromobilität, Wärmepumpen und der Ausbau der Netzinfrastruktur eine entscheidende Rolle.
Die Tatsache, dass an manchen Tagen bis zu 90 Prozent der Solarstrom-Erzeugung bei negativen Strompreisen erfolgt, verdeutlicht die Dynamik des deutschen Strommarkts. Photovoltaik ist ein zentraler Baustein der Energiewende, erfordert jedoch neue Marktmechanismen, flexible Verbraucher und intelligente Speicherlösungen, um langfristig wirtschaftlich und systemstabil zu bleiben.