
Die aktuelle Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen zeigt einen Anstieg des durchschnittlichen Zuschlagswerts auf 5,00 ct/kWh. Trotz deutlicher Überzeichnung sind die Preise damit leicht gestiegen – ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage und stabile Marktbedingungen.
Die jüngste Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur für Photovoltaik-Freiflächenanlagen sendet ein deutliches Signal an den Markt: Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert liegt bei 5,00 Cent pro Kilowattstunde und damit höher als in der vorherigen Runde. Bemerkenswert ist diese Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund einer erheblichen Überzeichnung.
Entsprechend unterstreicht das Ergebnis die anhaltend hohe Attraktivität großer Solarprojekte in Deutschland. Trotz eines deutlich überzeichneten Ausschreibungsvolumens konnten sich Projekte zu stabilen, wirtschaftlich tragfähigen Konditionen durchsetzen. Der Markt zeigt damit eine wachsende Reife: Statt aggressiver Unterbietung stehen realistische Kalkulationen und langfristige Investitionssicherheit im Vordergrund.
Zum Gebotstermin wurden 634 Gebote mit einem Gesamtvolumen von über 5 Gigawatt eingereicht. Dem gegenüber stand ein ausgeschriebenes Volumen von rund 2,3 Gigawatt. Die Nachfrage war somit mehr als doppelt so hoch wie die verfügbare Kapazität.
226 Projekte erhielten letztlich einen Zuschlag. Die Zuschlagswerte bewegten sich in einer Spanne zwischen 4,40 und 5,30 Cent pro Kilowattstunde. Der Durchschnittswert von 5,00 Cent stellt im Vergleich zur Vorrunde einen moderaten Anstieg dar.
In klassischen Marktmechanismen führt ein intensiver Wettbewerb häufig zu sinkenden Preisen. Im Fall der Photovoltaik-Freiflächenanlagen scheint sich jedoch eine Stabilisierung auf leicht höherem Niveau zu zeigen. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle.
Erstens bleiben Projektkosten aufgrund von Netzanschlussanforderungen, Flächensicherung und regulatorischen Vorgaben hoch. Zweitens kalkulieren Investoren zunehmend mit langfristigen Strommarktchancen, wodurch sie bereit sind, Gebote auf einem stabilen Preisniveau abzugeben.
Ein weiterer Aspekt ist die strategische Gebotsabgabe. Projektentwickler sichern sich Zuschläge lieber zu moderaten, realistisch kalkulierten Preisen, als durch aggressive Unterbietung wirtschaftliche Risiken einzugehen.
„Der Markt zeigt eine neue Reifephase. Entwickler bieten nicht mehr auf Kante, sondern mit einem klaren Blick auf Finanzierungsfähigkeit und langfristige Rendite“, erklärt Dr. Markus Weber, Energieökonom und Branchenberater im Bereich Erneuerbare Energien.
Die meisten Zuschläge gingen erneut nach Bayern, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Besonders stark vertreten sind Projekte entlang von Autobahnen und Schienenwegen. Diese Flächen gelten als konfliktarm und bieten gute Voraussetzungen für große Solarparks.
Zudem gewinnen sogenannte besondere Solaranlagen an Bedeutung. Dazu zählen etwa Agrar-Photovoltaik-Projekte, bei denen landwirtschaftliche Nutzung und Stromproduktion kombiniert werden. Solche Konzepte verbessern die Flächeneffizienz und erhöhen die Akzeptanz in ländlichen Regionen.
Der Ausbau der Solarenergie bleibt ein zentrales Element der deutschen Energiepolitik. Mit dem Solarpaket I wurden verschiedene Anpassungen beschlossen, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und Investitionen zu beschleunigen.
Allerdings bestehen weiterhin regulatorische Grenzen bei der maximalen Projektgröße. Sollten diese künftig angepasst werden, könnte dies sowohl das Ausschreibungsvolumen als auch die Preisentwicklung beeinflussen.
Zugleich bleibt abzuwarten, wie sich die beihilferechtliche Genehmigung auf europäischer Ebene sowie mögliche Anpassungen im EEG konkret auswirken werden. Größere zulässige Projektgrößen könnten Skaleneffekte ermöglichen und damit mittel- bis langfristig Druck auf die Zuschlagswerte ausüben. Umgekehrt sorgen klare und verlässliche Rahmenbedingungen vor allem für eines: Planungssicherheit. Für Projektentwickler und Investoren ist genau das derzeit ein entscheidender Faktor bei der Bewertung neuer Solarvorhaben.
Die nächste Ausschreibungsrunde steht bereits an. Marktteilnehmer erwarten erneut eine hohe Beteiligung. Ob sich der Trend steigender Durchschnittswerte fortsetzt oder eine Konsolidierung eintritt, hängt maßgeblich von Projektkosten, Finanzierungskonditionen und regulatorischen Entwicklungen ab.
Fest steht: Der Markt für Photovoltaik-Freiflächenanlagen bleibt dynamisch. Investoren, Projektentwickler und Kommunen beobachten die Ausschreibungsbedingungen genau. Die aktuelle Runde zeigt, dass trotz intensiver Konkurrenz wirtschaftlich tragfähige Preisniveaus durchsetzbar sind.
Für die Energiewende bedeutet das Ergebnis Planungssicherheit auf einem stabilen Preisniveau. Gleichzeitig unterstreicht die starke Überzeichnung das anhaltende Interesse am Ausbau der Solarenergie in Deutschland.