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März 27, 2026

Photovoltaik-Leistung geringer durch Reinigungsmittel

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Eine Studie des Fraunhofer CSP zeigt: um bis zu 5,6 Prozent kann Photovoltaik-Leistung geringer durch Reinigungsmittel ausfallen. Bestimmte Putzmittel haben negative Auswirkungen auf den Ertrag von Photovoltaik-Modulen. Statt die Effizienz zu steigern, kann eine falsche Reinigung die Energieproduktion dauerhaft verschlechtern.

Neue Risiken bei der Reinigung von Solarmodulen – Fraunhofer Studie zeigt bis zu 5,6 Prozent Verlust

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Centers für Silizium-Photovoltaik (CSP) rückt ein oft unterschätztes Thema in den Fokus der Solarbranche. Die Forscher zeigen, dass bestimmte Reinigungsmittel die Leistung von Photovoltaik-Modulen spürbar beeinträchtigen können. In Labortests sank der Energieertrag im ungünstigsten Fall um bis zu 5,6 Prozent.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Randaspekt. Tatsächlich hat es jedoch große Bedeutung für den Betrieb von Solaranlagen. Reinigung gilt bislang als einfache Maßnahme, um die Effizienz zu erhalten oder sogar zu steigern. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass genau das Gegenteil passieren kann, wenn ungeeignete Mittel eingesetzt werden.

Für Anlagenbetreiber und Dienstleister ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf. Die Wahl des Reinigungsverfahrens sollte sorgfältig geprüft werden, statt auf Standardlösungen zu setzen. Andernfalls drohen schleichende Ertragsverluste, die über die Jahre wirtschaftlich ins Gewicht fallen können.

Warum Reinigungsmittel zum Problem werden

Im Fokus der Untersuchung steht die sogenannte Antireflexbeschichtung (ARC) auf dem Glas von Solarmodulen. Diese hauchdünne Schicht sorgt dafür, dass möglichst viel Sonnenlicht in die Solarzellen gelangt, statt an der Oberfläche reflektiert zu werden.

Wird diese Beschichtung beschädigt, sinkt die Lichtdurchlässigkeit. Die Folge: weniger Stromproduktion.

Genau hier setzen die Ergebnisse des Fraunhofer CSP an. Die Forscher testeten fünf handelsübliche Reinigungsmittel sowie deionisiertes Wasser als Referenz. Dabei zeigte sich, dass einige Produkte die empfindliche Beschichtung angreifen und dauerhaft schädigen können.

Der Effekt ist nicht nur kurzfristig sichtbar, sondern kann langfristige Folgen haben. Einmal beschädigte Beschichtungen regenerieren sich nicht von selbst. Damit wird aus einem kleinen Reinigungsfehler schnell ein dauerhafter Effizienzverlust.

Klare Worte aus der Forschung

Besonders deutlich wird die Tragweite der Ergebnisse in den Aussagen der beteiligten Wissenschaftler. Sie ordnen die Untersuchung nicht nur als Laborbefund ein, sondern als klaren Hinweis auf ein praktisches Problem im Alltag vieler Anlagenbetreiber. Marko Turek vom Fraunhofer CSP betont dabei, dass die getesteten Produkte keineswegs Sonderfälle sind, sondern typische Vertreter des Marktes:

„Die getesteten Reiniger sind marktführende Produkte, die auf dem europäischen Markt frei erhältlich sind.“

Damit bekommt die Studie eine zusätzliche Brisanz. Es geht nicht um seltene oder speziell entwickelte Chemikalien, sondern um Reinigungsmittel, die bereits heute vielfach eingesetzt werden. Für Betreiber von Photovoltaikanlagen heißt das: Die Gefahr ist nicht theoretisch, sondern konkret und weit verbreitet. Umso wichtiger wird es, bestehende Reinigungsroutinen zu hinterfragen und stärker auf geeignete, materialschonende Verfahren zu achten.

Versuchsaufbau und Methodik

Für die Untersuchung wurden Glasproben von Photovoltaik-Modulen unter kontrollierten Laborbedingungen verschiedenen Reinigungsmitteln ausgesetzt. Die Einwirkzeit betrug 24 Stunden bei einer konstanten Temperatur von 55 Grad Celsius.

Laut Fraunhofer CSP orientieren sich diese Parameter an einer kumulierten Belastung, wie sie über die Lebensdauer eines Moduls auftreten kann. Die gewählte Temperatur entspricht zudem typischen Oberflächentemperaturen bei starker Sonneneinstrahlung.

Im Anschluss erfolgte die Analyse der optischen Eigenschaften der behandelten Glasoberflächen, insbesondere der Lichtdurchlässigkeit. Dabei zeigten sich messbare Unterschiede zwischen den getesteten Reinigungsmitteln.

Während einige Produkte keine relevanten Veränderungen verursachten, führten andere zu nachweisbaren Beeinträchtigungen der Antireflexbeschichtung.

Reinigung bleibt wichtig, aber nicht um jeden Preis

Trotz der neuen Erkenntnisse bleibt die regelmäßige Reinigung von Photovoltaik-Modulen grundsätzlich sinnvoll. Ablagerungen wie Staub, Pollen, Vogelkot oder industrielle Emissionen können die Lichtdurchlässigkeit der Moduloberfläche verringern und damit den Energieertrag reduzieren. Besonders in landwirtschaftlichen Regionen oder in der Nähe von Industrieanlagen kann sich Schmutz schneller ansammeln und die Leistung messbar beeinträchtigen.

Entscheidend ist daher nicht die Frage, ob gereinigt wird, sondern mit welchen Methoden und in welchen Intervallen. Neben der Art des Reinigungsmittels spielen auch Faktoren wie Wasserqualität, mechanische Belastung durch Bürsten sowie der Zeitpunkt der Reinigung eine Rolle. So kann etwa hartes Wasser Rückstände hinterlassen, während zu hoher Druck oder ungeeignete Werkzeuge die Oberfläche zusätzlich beschädigen können.

In der Praxis herrscht häufig die Annahme, dass eine intensivere Reinigung automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Die Studie zeigt jedoch, dass genau hier Risiken liegen. Chemisch aggressive Zusätze können die Antireflexbeschichtung angreifen und damit langfristig die Leistungsfähigkeit der Module mindern. Besonders saure oder stark alkalische Reiniger gelten als problematisch, da sie mit der Glasoberfläche reagieren und mikroskopische Schäden verursachen können.

Praxisfolgen für Betreiber und Dienstleister

Die Studienergebnisse haben unmittelbare Konsequenzen für den praktischen Betrieb von Photovoltaikanlagen. Für Betreiber, Reinigungsunternehmen und Installateure wird die Auswahl geeigneter Reinigungsmittel deutlich wichtiger. Herkömmliche Allzweckreiniger sind nicht automatisch für den Einsatz auf Solarmodulen geeignet und können im schlimmsten Fall Schäden verursachen.

Zudem gewinnt die Dokumentation von Reinigungsprozessen an Bedeutung. Treten nach einer Reinigung Ertragsverluste auf, kann die Ursache unter anderem in den verwendeten Mitteln liegen. Eine nachvollziehbare Dokumentation hilft dabei, solche Zusammenhänge zu erkennen und langfristige Schäden zu vermeiden.

Gleichzeitig rücken alternative Reinigungsmethoden stärker in den Fokus. Insbesondere deionisiertes oder entmineralisiertes Wasser gilt als vergleichsweise sichere Lösung, da es ohne aggressive chemische Zusätze auskommt und das Risiko von Materialschäden reduziert.

Photovoltaik-Leistung geringer durch Reinigungsmittel: Ein unterschätztes Risiko in der Energiewende?

Die Ergebnisse des Fraunhofer CSP machen ein grundlegendes Problem im Betrieb von Photovoltaikanlagen deutlich: Viele Risiken bleiben zunächst unsichtbar. Anders als bei offensichtlichen Defekten gibt es keine klar erkennbaren äußeren Schäden, die sofort auf eine Beeinträchtigung hinweisen. Stattdessen wirken sich Fehler oft im Verborgenen aus.

Ein betroffenes Modul kann äußerlich weiterhin sauber und unauffällig erscheinen. Die Oberfläche zeigt keine sichtbaren Schäden, und auch bei einer Sichtprüfung bleibt das Problem meist unentdeckt. Der tatsächliche Leistungsverlust wird häufig erst durch eine Auswertung der Ertragsdaten sichtbar und entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum.

Gerade bei größeren Anlagen oder auf langfristig ausgelegten Solarparks kann das erhebliche Folgen haben. Selbst geringe prozentuale Einbußen summieren sich über Jahre zu spürbaren finanziellen Verlusten. Was zunächst wie eine kleine Abweichung wirkt, kann sich so zu einem wirtschaftlich relevanten Faktor entwickeln.

Nicht vergessen – Reinigung kann negative Nebenwirkungen zeigen

Die Studie des Fraunhofer CSP macht deutlich, dass die Reinigung von Photovoltaik-Modulen kein rein kosmetischer Vorgang ist, sondern ein technischer Eingriff in ein sensibles System. Für Betreiber und Dienstleister bedeutet das, Reinigungsprozesse nicht als Routine abzutun, sondern gezielt zu prüfen. Die Wahl ungeeigneter Mittel kann langfristig mehr Schaden als Nutzen verursachen und die Leistungsfähigkeit der Anlage beeinträchtigen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass sich das Risiko vermeiden lässt. Mit abgestimmten Verfahren und geeigneten Reinigungsmitteln kann die Effizienz der Module erhalten bleiben. Wer jedoch nicht genau hinschaut, riskiert schleichende Ertragsverluste, die sich über Jahre summieren. Gerade bei einer Technologie, die auf maximale Effizienz ausgelegt ist, wiegt das besonders schwer.

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