
Aktuelle Auswertungen zeigen, dass bifaziale Solarmodule unter realen Betriebsbedingungen messbare Mehrerträge liefern können. Neue Erkenntnisse verdeutlichen, welche technischen und standortbezogenen Faktoren den Ertrag beeinflussen und bei welchen Anlagenkonzepten sich bifaziale Module gegenüber klassischen PV-Modulen besonders bewähren.
Bifaziale Solarmodule zählen zu den wichtigsten technologischen Weiterentwicklungen der Photovoltaik. Anders als konventionelle Module nutzen sie nicht nur die direkte Sonneneinstrahlung auf der Vorderseite, sondern auch Licht, das auf die Rückseite der Module trifft. Dadurch können unter bestimmten Bedingungen deutlich höhere Erträge erzielt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass der Mehrertrag stark von den Rahmenbedingungen abhängt.
Aktuelle Fachanalysen machen deutlich, dass bifaziale Solarmodule kein Selbstläufer sind. Standort, Untergrund, Anlagenlayout und Aufständerung entscheiden darüber, ob sich die zusätzliche Investition rechnet. Für Projektentwickler und Investoren ist daher eine sorgfältige Planung unerlässlich.
Der grundlegende Unterschied zwischen bifazialen Solarmodulen und klassischen PV-Modulen liegt in ihrem Aufbau. Bifaziale Module sind so konstruiert, dass sie Sonnenlicht von beiden Seiten in elektrische Energie umwandeln können. Neben der direkten Einstrahlung nutzen sie auch reflektiertes und diffuses Licht aus der Umgebung.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Albedo. Sie beschreibt, wie stark der Untergrund Licht reflektiert. Helle Flächen wie Kies, Beton oder Schnee erhöhen das Potenzial für zusätzliche Erträge, während dunkle Böden oder Vegetation den Effekt deutlich reduzieren.
Die größten Mehrerträge lassen sich in der Regel bei Freiflächenanlagen erzielen. Dort sind die Module höher aufgeständert und die Rückseiten besser belichtet. Auch vertikale Anlagen oder Ost-West-Ausrichtungen profitieren von der bifazialen Technologie.
Neben dem Untergrund beeinflussen weitere Faktoren den Ertrag. Dazu zählen der Reihenabstand, die Höhe der Module über dem Boden sowie der Neigungswinkel. Gut geplante Anlagen können je nach Standort und Ausführung einen Mehrertrag von etwa fünf bis 20 Prozent erreichen.
Ein wichtiges Anwendungsszenario ist Agri-Photovoltaik, bei der landwirtschaftliche Nutzung und Stromerzeugung kombiniert werden. Die erhöhte Montage und die größeren Reihenabstände in solchen Anlagen begünstigen den Einsatz bifazialer Module, da mehr Licht auf die Rückseite gelangt.
Gleichzeitig bleibt ausreichend Raum und Licht für Pflanzen und Maschinen. Damit leisten bifaziale Module einen wichtigen Beitrag, um Flächen effizienter zu nutzen und erneuerbare Energie mit anderen Arten der Bewirtschaftung zu verbinden.
Trotz ihres Potenzials sind bifaziale Solarmodule nicht für jedes Projekt die beste Wahl. Bei Dachanlagen mit geringer Rückseitenbelichtung oder starker Verschattung fällt der Zusatznutzen oft gering aus. Zudem ist die Ertragsprognose komplexer als bei monofazialen Modulen.
Auch wirtschaftliche Aspekte spielen eine Rolle. Bifaziale Module sind häufig teurer in der Anschaffung. Ob sich diese Mehrkosten amortisieren, hängt stark von den langfristigen Erträgen und den jeweiligen Stromerlösen ab.
Ein weiterer Aspekt ist der erhöhte Planungs- und Abstimmungsaufwand. Um das Potenzial bifazialer Solarmodule realistisch bewerten zu können, sind detaillierte Ertragssimulationen, Kenntnisse zur Bodenreflexion sowie eine präzise Auslegung der Aufständerung erforderlich. Ohne diese Vorarbeiten besteht das Risiko, dass die erwarteten Ertragsvorteile in der Praxis nicht erreicht werden.
Fachleute weisen seit Längerem darauf hin, dass der Einsatz bifazialer Solarmodule eine deutlich präzisere Planung erfordert als bei klassischen PV-Systemen. Der technische Aufbau der Anlage, die Wahl des Untergrunds und die Gestaltung der Aufständerung bestimmen maßgeblich, ob die Rückseitenaktivität der Module tatsächlich zu höheren Erträgen führt.
Dr. Andreas Bett, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, zieht auf Basis seiner Tätigkeit eine klare Schlussfolgerung:
„Bifaziale Solarmodule entfalten ihr volles Potenzial nur dann, wenn das Anlagenkonzept konsequent auf die Nutzung von Rückseitenlicht ausgelegt ist.“
Die Aussage unterstreicht, dass bifaziale Technik kein reines Modulthema ist, sondern ein ganzheitliches Anlagenkonzept erfordert. Erst wenn Planung, Standortbedingungen und technische Ausführung aufeinander abgestimmt sind, lassen sich die ertragsseitigen Vorteile zuverlässig realisieren und wirtschaftlich nutzen.
Für Investoren und Projektentwickler gewinnen bifaziale Solarmodule zunehmend an Bedeutung. Vor allem bei großen Freiflächenprojekten können zusätzliche Erträge die Wirtschaftlichkeit verbessern. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Planung, Simulation und Monitoring.
Digitale Planungstools und realistische Ertragsmodelle sind entscheidend, um das Risiko falscher Annahmen zu minimieren. Wer bifaziale Module gezielt einsetzt, kann langfristig von höheren spezifischen Erträgen profitieren.
Mit wachsender Erfahrung und sinkenden Modulpreisen könnten bifaziale Solarmodule in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. In vielen Märkten gelten sie bereits als Standardlösung für neue Freiflächenanlagen.
Ob sie sich langfristig flächendeckend durchsetzen, hängt davon ab, wie verlässlich Mehrerträge prognostiziert werden können. Klar ist jedoch: Bifaziale Solarmodule werden eine wichtige Rolle im weiteren Ausbau der Photovoltaik spielen.