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Januar 28, 2026

Potenzial dynamischer Netzentgelte: Pilotprojekt „Grids & Benefits“ zeigt Perspektiven auf

Potenzial-dynamischer-Netzentgelte

Die Studie Grids & Benefits zeigt das Potenzial dynamischer Netzentgelte auf, die Stromnetze gezielt entlasten, Flexibilität bei Elektromobilität und anderen Verbrauchern aktivieren und Lastspitzen reduzieren können. Gleichzeitig sinken Kosten für Verbraucher und Netzbetreiber, während erneuerbare Energien effizienter integriert und teurer Netzausbau vermieden wird.

Hintergrund und Zielsetzung des Innovationsprojekts

Mit dem Fortschreiten der Energiewende verändern sich die Anforderungen an die Stromnetze grundlegend. Der zunehmende Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Photovoltaik, sowie der wachsende Einsatz von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen führen zu neuen Lastmustern in den Verteilnetzen.

Bei gilt es zu beachten, dass die Netzentgelte in Deutschland bislang überwiegend statisch und unabhängig vom tatsächlichen Netzzustand bleiben. Das Innovationsprojekt „Grids & Benefits“ setzt genau an diesem Punkt an und untersucht, ob dynamische Netzentgelte als marktbasiertes Steuerungsinstrument einen Beitrag zur Netzstabilität leisten können.

Potenzial dynamischer Netzentgelte im Unterschied zu heutigen Modellen

Klassische Netzentgelte werden meist pauschal erhoben und spiegeln weder den Zeitpunkt noch den Ort des Stromverbrauchs wider. Dynamische Netzentgelte hingegen orientieren sich am tatsächlichen Belastungszustand einzelner Netzabschnitte. Sie senden Preissignale, die Verbraucher darüber informieren, wann Strom aus Netzsicht besonders günstig oder kritisch ist. Damit werden Netzentgelte erstmals zu einem aktiven Instrument der Netzsteuerung und nicht nur zu einem Kostenbestandteil auf der Stromrechnung.

Pilotphase mit Elektromobilität im Fokus

Im Rahmen der Studie wurden dynamische Netzentgelte in einer praxisnahen Pilotphase getestet. Schwerpunkt war die Elektromobilität, da Ladevorgänge zeitlich flexibel verschoben werden können und damit ein hohes Flexibilitätspotenzial bieten. Öffentliche Ladepunkte sowie private Haushalte mit Elektrofahrzeugen erhielten viertelstundenscharfe Netzentgelte, die im Voraus kommuniziert wurden. Intelligente Ladelösungen nutzten diese Informationen automatisiert, um Ladevorgänge in netzentlastende Zeitfenster zu verlagern.

Messbare Effekte auf Netzauslastung und Verbraucherverhalten

Die Auswertung der Pilotphase zeigt deutliche Effekte. Viele Teilnehmer reagierten aktiv auf die dynamischen Preissignale und passten ihr Ladeverhalten an. Ladevorgänge verlagerten sich weg von kritischen Spitzenzeiten hin zu Phasen mit niedriger Netzbelastung.

Dadurch konnten Lastspitzen geglättet und die Netzauslastung insgesamt gleichmäßiger gestaltet werden. Gleichzeitig profitierten die Endkunden von geringeren Kosten, was die Akzeptanz dynamischer Netzentgelte deutlich erhöhte.

Studienverantwortliche sieht dynamische Netzentgelte als Wendepunkt für die Netznutzung

Die Ergebnisse des Innovationsprojekts „Grids & Benefits“ zeigen aus Sicht der Projektverantwortlichen deutlich, dass dynamische Netzentgelte mehr sind als ein rein technisches Preisinstrument. Sie können Verbrauchern erstmals transparent vermitteln, wann ihr Stromverbrauch das Netz entlastet oder belastet, und damit eine aktive Rolle in einem zunehmend flexiblen Energiesystem ermöglichen.

Johanna Bronisch, Projektverantwortliche bei UnternehmerTUM, formuliert das folgendermaßen:

„Dynamische Netzentgelte eröffnen ein neues Paradigma in der Netznutzung. Sie machen Netzengpässe transparent und schaffen klare wirtschaftliche Anreize für Verbraucher, aktiv zur Entlastung der Netze beizutragen.“

Nach Einschätzung der Projektpartner liegt darin ein zentraler Hebel für die Energiewende. Statt Netzausbau ausschließlich durch Investitionen zu lösen, könnten dynamische Netzentgelte vorhandene Flexibilität bei Elektromobilität, Wärmepumpen und Speichern gezielt aktivieren.

Die Studie macht deutlich, dass Verbraucher bereit sind, ihr Verhalten anzupassen, wenn Preissignale verständlich, planbar und fair gestaltet sind. Damit rücken dynamische Netzentgelte zunehmend in den Fokus der energiepolitischen Debatte um ein effizientes, kostengünstiges und zukunftsfähiges Stromsystem.

Technische und regulatorische Rahmenbedingungen

Neben den positiven Ergebnissen identifiziert die Studie auch Herausforderungen bei der Umsetzung dynamischer Netzentgelte. Technisch erfordert ein solches Modell eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, zuverlässige Lastprognosen sowie standardisierte Schnittstellen zwischen Netzbetreibern, Energieversorgern und Endkunden.

Regulatorisch sind ebenfalls Anpassungen notwendig, da das bestehende Entgeltregime in Deutschland stark auf statische Modelle ausgerichtet ist. Die Studie betont, dass dynamische Netzentgelte klar, transparent und sozial ausgewogen gestaltet werden müssen, um eine breite Akzeptanz bei Verbrauchern zu erreichen.

Dynamische Netzentgelte vor dem Durchbruch – Technik und Regulierung als Nadelöhr

Trotz der positiven Ergebnisse macht die Studie deutlich, dass der breite Einsatz dynamischer Netzentgelte kein Selbstläufer ist. Vor allem die technischen Anforderungen sind hoch. Notwendig sind leistungsfähige digitale Infrastrukturen, präzise Lastprognosen sowie standardisierte Schnittstellen, über die Netzbetreiber, Energieversorger und Endkunden zuverlässig miteinander kommunizieren können.

Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass dynamische Netzentgelte nur dann wirken, wenn sie für Verbraucher einfach verständlich und planbar bleiben. Komplexe Tarifstrukturen oder intransparente Preissignale könnten die Akzeptanz deutlich schmälern. Die Studie unterstreicht daher die Bedeutung klarer Regeln, nachvollziehbarer Preislogiken und automatisierter Lösungen, die Verbraucher im Alltag entlasten.

Besonders groß ist der Anpassungsbedarf auf regulatorischer Ebene. Das derzeitige Netzentgeltregime in Deutschland ist stark auf statische Modelle ausgerichtet und berücksichtigt zeit- und netzzustandsabhängige Preissignale bislang kaum. Damit dynamische Netzentgelte ihr Potenzial entfalten können, fordert die Studie eine Weiterentwicklung des Rechtsrahmens, die Innovation ermöglicht und gleichzeitig soziale Ausgewogenheit sicherstellt.

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