logo_milkthesun
Login

März 11, 2026

Strom aus neuen Gaskraftwerken deutlich teurer

Strom-aus-neuen-Gaskraftwerken-deutlich teurer

Der Bau neuer Gaskraftwerke wird in Deutschland intensiv diskutiert, weil sie bei wenig Wind und Sonne Strom liefern sollen. Eine Studie stellt die Wirtschaftlichkeit infrage: Strom aus neuen Gaskraftwerken deutlich teurer als Erneuerbare-Backups, so das Ergebnis einer Analyse im Auftrag von Green Planet Energy.

Einordnung: Kosten von Gaskraftwerken rücken in der Energiewende stärker in den Fokus

Der Bau neuer Gaskraftwerke wird in Deutschland seit Monaten intensiv diskutiert. Sie sollen in Zukunft vor allem dann einspringen, wenn Windräder und Solaranlagen zu wenig Strom liefern. Eine aktuelle Studie stellt jedoch die Wirtschaftlichkeit dieser Strategie infrage. Nach Berechnungen des Forums Ökologische Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Energiegenossenschaft Green Planet Energy könnte Strom aus neuen Gaskraftwerken deutlich teurer sein als Strom aus erneuerbaren Energien mit entsprechenden Backup‑Lösungen.

Die Analyse zeigt, dass die tatsächlichen Kosten von Gasstrom erheblich über den reinen Stromgestehungskosten liegen können. Werden auch externe Kosten wie Klimaschäden durch CO₂‑Emissionen berücksichtigt, kann Strom aus neuen Gaskraftwerken zwei- bis dreimal so teuer sein wie erneuerbare Alternativen mit Speichern oder anderen Flexibilitätsoptionen.

Die Autoren der Untersuchung kommen zu einem klaren Ergebnis: „Die wahren Kosten von Strom aus Gaskraftwerken sind dreimal höher als die reinen Stromgestehungskosten.“ Dieses Fazit basiert auf einer umfassenden Betrachtung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen fossiler Stromproduktion.

Strom aus neuen Gaskraftwerken deutlich teurer: Studie berechnet reale Kosten von Strom aus Erdgas

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche Kosten tatsächlich entstehen, wenn neue Gaskraftwerke als Sicherheitsreserve im Stromsystem eingesetzt werden. Üblicherweise werden in politischen Debatten nur die direkten Kosten der Stromproduktion betrachtet. Dazu zählen Investitionen in Kraftwerke, Betriebskosten und der Preis für den Brennstoff.

Die Studie geht jedoch einen Schritt weiter. Sie bezieht auch externe Effekte ein, die in klassischen Marktpreisen oft nicht vollständig abgebildet sind. Dazu gehören vor allem Klimaschäden durch Treibhausgasemissionen sowie mögliche langfristige Risiken durch steigende Gaspreise.

Je nach Szenario könnten die gesellschaftlichen Gesamtkosten von Strom aus neuen Gaskraftwerken laut Studie bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde erreichen. Diese Zahl ergibt sich aus verschiedenen Annahmen über zukünftige CO₂‑Preise, Brennstoffkosten und Laufzeiten der Anlagen.

Damit wird deutlich, dass die Wirtschaftlichkeit fossiler Reservekraftwerke stark von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Steigende CO₂‑Preise könnten Gasstrom in Zukunft deutlich verteuern.

Warum erneuerbare Energien mit Speicherlösungen günstiger werden

Während fossile Kraftwerke dauerhaft Brennstoff benötigen, funktionieren Wind- und Solaranlagen anders. Ein Großteil der Kosten entsteht bereits beim Bau der Anlagen. Sobald sie installiert sind, produzieren sie Strom weitgehend ohne zusätzliche Brennstoffkosten.

Genau dieser Unterschied verändert die Kostenstruktur des Energiesystems. Wind- und Solarenergie sind in vielen Regionen heute bereits die günstigsten Stromquellen. Wenn sie mit Batteriespeichern oder anderen Flexibilitätsoptionen kombiniert werden, können sie auch Schwankungen im Stromangebot ausgleichen.

Zu den wichtigsten Technologien zählen große Batteriespeicher, flexible Stromnachfrage in Industrie und Haushalten sowie künftig auch Wasserstoffkraftwerke, die mit erneuerbar erzeugtem Wasserstoff betrieben werden können. Diese Lösungen könnten laut Studie langfristig günstiger sein als der Neubau klassischer Gaskraftwerke.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: erneuerbare Energien sind nicht von internationalen Rohstoffmärkten abhängig. Während Gaspreise starken Schwankungen unterliegen können, bleiben die Betriebskosten von Wind- und Solaranlagen vergleichsweise stabil.

Debatte über neue Kraftwerke in Deutschland

Die Ergebnisse der Studie erscheinen in einer Phase intensiver energiepolitischer Debatten. Deutschland will schrittweise aus der Kohleverstromung aussteigen, gleichzeitig wächst der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die Elektrifizierung vieler Industrieprozesse.

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, plant die Politik neue flexible Kraftwerke. Sie sollen vor allem bei sogenannten Dunkelflauten einspringen – also dann, wenn gleichzeitig wenig Wind weht und kaum Solarstrom erzeugt wird.

Während viele Experten solche Reservekraftwerke für notwendig halten, warnen Kritiker vor einem fossilen Lock-in. Neue Gaskraftwerke könnten über Jahrzehnte laufen müssen, um wirtschaftlich zu bleiben – und damit Investitionen in erneuerbare Alternativen bremsen.

Kosten der Energiewende werden zunehmend wirtschaftlich bewertet

Neben der Klimapolitik rückt zunehmend auch die wirtschaftliche Perspektive der Energiewende in den Fokus. Energieexperten analysieren heute stärker, welche Technologien langfristig die geringsten Gesamtkosten für Gesellschaft und Wirtschaft verursachen.

Die Studie trägt zu dieser Debatte bei, indem sie zeigt, dass fossile Backup‑Strategien unter bestimmten Bedingungen deutlich teurer sein können als erneuerbare Lösungen mit Speichertechnologien.

Mit dem schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie verändert sich das gesamte Stromsystem. Strom wird immer häufiger dann produziert, wenn das Wetter günstig ist. Speicher, flexible Verbraucher und intelligente Netze gleichen diese Schwankungen aus.

Für die zukünftige Energiepolitik bedeutet das: Investitionen in erneuerbare Flexibilität könnten eine zentrale Rolle spielen. Ob Deutschland stärker auf neue Gaskraftwerke oder auf alternative Lösungen setzt, wird letztlich eine politische Entscheidung sein.

Klar ist jedoch schon heute, dass die wirtschaftliche Bewertung verschiedener Technologien eine immer größere Rolle in der Energiewende spielt. Studien wie diese liefern wichtige Hinweise darauf, welche Strategien langfristig sowohl klimafreundlich als auch kosteneffizient sein könnten.

crossmenuCookie Consent mit Real Cookie Banner