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Januar 30, 2026

Versorgung während Dunkelflauten: Wie Speicher und Flexibilität die Stromversorgung sichern

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Wie kann Deutschland die Versorgung während Dunkelflauten sichern? Welche Rolle spielen Stromspeichern, flexible Nachfrage, Netze und vor allem Gaskraftwerke? Die Antworten zeigen, warum systemische Lösungen wichtiger sind als neue fossile Kapazitäten.

Herausforderung Dunkelflauten im Energiesystem

Die Versorgung während Dunkelflauten gilt als eine der größten Herausforderungen der Energiewende. Dunkelflauten beschreiben Zeiträume, in denen sowohl Windkraft- als auch Photovoltaikanlagen gleichzeitig nur wenig Strom erzeugen. Besonders in den Wintermonaten können diese Phasen mehrere Tage andauern und führen regelmäßig zu einer intensiven energiepolitischen Debatte.

Oft wird dabei der Eindruck erweckt, ein Stromsystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien sei in solchen Situationen grundsätzlich instabil. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Denn die Versorgung während Dunkelflauten hängt nicht allein von der Stromerzeugung ab, sondern vom gesamten System aus Erzeugung, Speicherung, Netzinfrastruktur und flexiblem Verbrauch.

Speicher als Fundament der Versorgungssicherheit

Energiespeicher spielen eine zentrale Rolle für die Versorgung während Dunkelflauten. Sie ermöglichen es, überschüssigen Strom aus Zeiten hoher Einspeisung aufzunehmen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben. Vor allem Batteriespeicher haben in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen, da sie schnell reagieren und kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen können.

Für längere Phasen geringer Stromerzeugung sind weitere Speichertechnologien erforderlich. Pumpspeicherkraftwerke zählen zu den bewährtesten Lösungen, stoßen in Deutschland jedoch an geografische Grenzen. Ergänzend dazu rücken Wasserstoffspeicher in den Fokus, die Energie über Tage oder sogar Wochen speichern können und damit auch längere Dunkelflauten überbrückbar machen.

Versorgung während Dunkelflauten – Flexible Nachfrage als unterschätzter Hebel

Neben Speichern ist die Flexibilisierung der Stromnachfrage ein entscheidender Baustein für die Versorgung während Dunkelflauten. Nicht jeder Stromverbrauch muss jederzeit erfolgen. Viele Anwendungen lassen sich zeitlich verschieben, ohne dass Komfort oder Produktivität darunter leiden.

Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge oder industrielle Prozesse können gezielt dann betrieben werden, wenn ausreichend Strom zur Verfügung steht. Intelligente Steuerungssysteme und variable Stromtarife schaffen die nötigen Anreize, damit Verbraucher ihren Stromverbrauch stärker am Angebot ausrichten. Dadurch sinkt der Bedarf an zusätzlicher Erzeugungskapazität deutlich.

Warum neue Gaskraftwerke kritisch gesehen werden

Neue Gaskraftwerke werden in der politischen Debatte häufig als Absicherung für Dunkelflauten angeführt. Tatsächlich können bestehende konventionelle Anlagen kurzfristig dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen, wenn Wind- und Solarenergie nur begrenzt verfügbar sind. Der Bau zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten wird jedoch zunehmend kritisch bewertet.

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass neue Gaskraftwerke strukturelle Probleme nicht lösen, sondern bestehende Abhängigkeiten verlängern könnten. Statt das Energiesystem flexibler und resilienter zu machen, besteht die Gefahr, dass fossile Lösungen erneut in den Mittelpunkt rücken und langfristige Investitionsentscheidungen prägen.

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) weist darauf hin, dass der Neubau von Gaskraftwerken Investitionen in Speichertechnologien und flexible Verbrauchslösungen verdrängen könne. BNE-Geschäftsführer Robert Busch macht deutlich, dass zusätzliche Gaskapazitäten aus Sicht des Verbands dazu beitragen könnten, Investitionsanreize für Speicher und Flexibilisierung zu schwächen und langfristig höhere Kosten im Stromsystem zu verfestigen.

Wissenschaftler fordern systemische Lösungen

Auch aus der Wissenschaft kommt Unterstützung für einen systemischen Ansatz. Energieökonomen betonen, dass Dunkelflauten kein Argument gegen erneuerbare Energien sind, sondern eine planbare Herausforderung darstellen. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung fasst diese Sichtweise so zusammen:

„Für längere Dunkelflauten braucht es saisonale Speicher, einen stärkeren Netzausbau und eine enge europäische Zusammenarbeit – nicht neue fossile Abhängigkeiten.“

Die Erkenntnis – Versorgung während Dunkelflauten ist lösbar

Die Versorgung während Dunkelflauten erfordert ein Umdenken weg von isolierten Einzelmaßnahmen hin zu einem integrierten Systemansatz. Speicher, flexible Verbraucher, leistungsfähige Netze und eine enge europäische Zusammenarbeit greifen ineinander und erhöhen gemeinsam die Stabilität und Resilienz des Stromsystems.

Statt langfristig auf neue fossile Kraftwerke zu setzen, eröffnet der gezielte Ausbau von Speichern und Flexibilitätsoptionen eine nachhaltige Perspektive. Diese Ansätze stärken nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern unterstützen zugleich den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Dunkelflauten werden damit nicht zu einem strukturellen Risiko, sondern zu einem beherrschbaren Bestandteil eines modernen, klimaneutralen Energiesystems. Entscheidend ist, dass politische Rahmenbedingungen Investitionen in Systemlösungen fördern und nicht durch kurzfristige fossile Strategien konterkarieren.

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