
Eine aktuelle Studie untersucht neue Gaskraftwerke in Deutschland hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit. Steigende Investitionskosten, volatile Strompreise und der schnelle Ausbau von Batteriespeichern erhöhen laut den Analysten die Erlösrisiken deutlich. Gleichzeitig verändern erneuerbare Energien und flexible Speichertechnologien den Strommarkt grundlegend. Betreiber könnten dadurch langfristig vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen.
Der geplante Ausbau neuer Gaskraftwerke in Deutschland steht zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Thema kommt zu dem Ergebnis, dass sich Investitionen in neue Gaskraftwerke nur unter bestimmten Marktbedingungen rentieren könnten. Besonders problematisch seien schwankende Strompreise, ein wachsender Ausbau von Batteriespeichern und die zunehmende Flexibilität im Energiesystem.
Die Untersuchung beleuchtet die Herausforderungen für Betreiber, die künftig auf gasbasierte Kraftwerke setzen wollen. Zwar gelten Gaskraftwerke weiterhin als wichtiger Bestandteil der Versorgungssicherheit während sogenannter Dunkelflauten, also Zeiten mit wenig Wind- und Solarstrom. Doch laut der Studie könnten die wirtschaftlichen Risiken deutlich höher ausfallen als bislang angenommen.
Hinzu kommt, dass sich die Rahmenbedingungen auf dem Energiemarkt schneller verändern als noch vor wenigen Jahren erwartet. Der massive Ausbau erneuerbarer Energien führt immer häufiger zu Phasen sehr niedriger oder sogar negativer Strompreise. Gleichzeitig sinken die Betriebskosten von Batteriespeichern kontinuierlich, wodurch flexible Speicherlösungen für Netzbetreiber und Energieversorger zunehmend attraktiver werden. Für neue Gaskraftwerke bedeutet das eine wachsende Unsicherheit bei der langfristigen Auslastung und damit bei der Refinanzierung der hohen Investitionskosten.
Die Bundesregierung plant in den kommenden Jahren den Neubau zusätzlicher Gaskraftwerke, um den schrittweisen Kohleausstieg abzusichern und Schwankungen bei erneuerbaren Energien auszugleichen. Hintergrund ist der steigende Anteil von Wind- und Solarstrom im deutschen Energiemix.
Vor allem in Zeiten geringer Einspeisung aus erneuerbaren Quellen sollen flexible Gaskraftwerke kurzfristig Strom liefern. Die Bundesnetzagentur sieht dafür einen erheblichen Bedarf an steuerbarer Leistung. Verschiedene Szenarien gehen von bis zu 20 Gigawatt neuer Kapazitäten bis 2030 aus.
Doch genau hier setzt die Kritik der Studie an: Je mehr neue Gaskraftwerke gleichzeitig gebaut werden, desto stärker sinken laut den Analysten die möglichen Erlöse jedes einzelnen Kraftwerks.
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die zunehmende Konkurrenz durch Batteriespeicher und andere Flexibilitätslösungen. Moderne Batteriesysteme können kurzfristige Schwankungen im Stromnetz inzwischen deutlich effizienter ausgleichen als noch vor wenigen Jahren.
Zusätzlich entwickeln sich flexible Stromtarife, Lastmanagement in der Industrie und intelligente Netze immer schneller weiter. Diese Technologien reduzieren den Bedarf an klassischen Gaskraftwerken, die nur in Spitzenzeiten einspringen.
Die Analysten gehen deshalb davon aus, dass neue Gaskraftwerke nur in wenigen sogenannten Knappheitsjahren ausreichend hohe Erlöse erzielen könnten. Über weite Teile ihrer Laufzeit drohten dagegen geringe Auslastungen und sinkende Einnahmen.
Neben unsicheren Einnahmen belasten auch die hohen Baukosten die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen. Große moderne Gaskraftwerke kosten mehrere hundert Millionen Euro. Hinzu kommen steigende CO₂-Kosten sowie Unsicherheiten bei den Gaspreisen.
Bereits andere Studien hatten zuletzt auf erhebliche finanzielle Risiken hingewiesen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) sprach im Frühjahr 2026 sogar von möglichen Stromkosten von bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde bei neuen Gaskraftwerken.
Gleichzeitig sinken die Kosten für erneuerbare Energien und Batteriespeicher kontinuierlich. Laut Fraunhofer ISE bleiben Wind- und Solarenergie langfristig deutlich günstiger als fossile Kraftwerke.
Die wirtschaftlichen Risiken könnten dazu führen, dass neue Gaskraftwerke ohne staatliche Unterstützung kaum realisierbar sind. Deshalb wird aktuell intensiv über mögliche Kapazitätsmärkte und Fördermodelle diskutiert.
Kritiker warnen jedoch davor, milliardenschwere Subventionen für fossile Technologien bereitzustellen, die möglicherweise nur selten genutzt werden. Umweltverbände und Teile der Energiewirtschaft fordern stattdessen einen stärkeren Ausbau von Speichern, Wasserstofflösungen und flexiblen Verbrauchssystemen.
Befürworter neuer Gaskraftwerke halten dagegen, dass Deutschland trotz Energiewende weiterhin gesicherte Leistung benötige, um Blackouts zu verhindern und die Netzstabilität zu sichern.
Die Diskussion zeigt, wie schwierig die Balance zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz geworden ist. Während Gaskraftwerke kurzfristig als Brückentechnologie gelten, wächst gleichzeitig der Druck, fossile Energieträger möglichst schnell zu ersetzen.
Die Studie der Analysten von Thema verdeutlicht, dass Investoren künftig deutlich genauer kalkulieren müssen. Der Markt für flexible Stromversorgung verändert sich rasant. Technologien wie Batteriespeicher könnten die Rolle klassischer Gaskraftwerke schneller verdrängen als bisher erwartet.
„Ein zu starker Ausbau von Gaskraftwerken sowie zusätzliche Flexibilitäten wie Batteriespeicher schmälern die Einnahmen über die gesamte Laufzeit deutlich“, so ein Analyst des Beratungsunternehmens Thema
Eines lässt sich jetzt schon feststellen, der deutsche Strommarkt befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verschieben sich auch die Anforderungen an Kraftwerksbetreiber und Investoren.
Während früher Grundlastkraftwerke dauerhaft hohe Auslastungen erreichten, werden flexible Reservekapazitäten künftig wahrscheinlich deutlich seltener benötigt. Genau darin liegt laut der Studie das zentrale Problem neuer Gaskraftwerke.
Für die Politik bedeutet das eine schwierige Entscheidung. Einerseits muss die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben. Andererseits drohen hohe Kosten für Technologien, deren wirtschaftlicher Nutzen langfristig unsicher ist.
Die kommenden Jahre dürften deshalb entscheidend dafür werden, welche Rolle Gaskraftwerke tatsächlich noch im Energiesystem der Zukunft spielen werden.