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Juni 9, 2026

BDEW fordert Reform des Erbschaftsrechts

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Die aktuelle Ausgestaltung des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechts könnte den Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik in Deutschland bremsen. Der BDEW warnt, dass verpachtete Solarflächen steuerliche Vorteile verlieren und dadurch hohe Belastungen für Eigentümer entstehen können. Der Verband fordert rechtliche Klarheit, um Investitionen zu erleichtern und die Energiewende nicht durch steuerliche Unsicherheiten zu gefährden.

Steuerhürde bremst Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik – Verpachtete Solarflächen verlieren steuerliche Privilegien

Der Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Deutschland könnte nach Ansicht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) durch eine bislang wenig beachtete steuerrechtliche Regelung ausgebremst werden. Der Verband fordert deshalb eine Anpassung des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechts, um Landwirten und Grundstückseigentümern mehr Planungssicherheit bei der Verpachtung von Flächen für Solarparks zu geben.

Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie landwirtschaftliche Flächen steuerlich behandelt werden, wenn sie zeitweise für die Stromerzeugung durch Photovoltaik genutzt werden. Nach aktueller Rechtslage verlieren solche Grundstücke häufig ihren Status als begünstigtes land- und forstwirtschaftliches Vermögen. Das kann erhebliche steuerliche Folgen haben, wenn die Flächen vererbt oder verschenkt werden.

Hohe Steuerlast kann Solarprojekte verhindern

Für viele Landwirte stellt die Verpachtung von Flächen an Solarparkbetreiber eine attraktive zusätzliche Einnahmequelle dar. Gleichzeitig bleibt die Nutzung in vielen Fällen zeitlich begrenzt, da die Anlagen nach mehreren Jahrzehnten zurückgebaut werden können.

Dennoch führt die derzeitige steuerliche Bewertung dazu, dass Eigentümer bei einem Erb- oder Schenkungsfall mit deutlich höheren Steuerzahlungen rechnen müssen. Nach Angaben des BDEW können die daraus entstehenden Belastungen in Einzelfällen sogar die gesamten Pachteinnahmen über die Laufzeit eines Solarparks übersteigen. Diese Unsicherheit schrecke viele Flächeneigentümer von einer Verpachtung ab und erschwere Vertragsverhandlungen.

Gerade in Zeiten, in denen Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien massiv beschleunigen will, sehen Branchenvertreter darin ein ernstzunehmendes Hindernis.

BDEW sieht Gefahr für die Energiewende

Freiflächen-Photovoltaik gilt als eine der kostengünstigsten Formen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Solarparks liefern große Mengen klimafreundlichen Stroms und spielen eine wichtige Rolle bei der Erreichung der deutschen Klimaziele. Gleichzeitig wächst der Flächenbedarf für neue Projekte.

Nach Einschätzung des BDEW könnte die aktuelle steuerliche Situation dazu führen, dass geeignete Standorte nicht zur Verfügung gestellt werden. Dadurch würden Investitionen verzögert und Ausbauziele gefährdet.

Der Verband argumentiert, dass die zeitweise Nutzung einer Fläche für Solarenergie nicht mit einer dauerhaften Umwidmung gleichgesetzt werden sollte. Schließlich bleiben die Grundstücke langfristig erhalten und können nach dem Ende der Nutzungsdauer wieder anderweitig verwendet werden.

Forderung nach gesetzlicher Klarstellung

Um die bestehende Unsicherheit zu beseitigen, hat der BDEW konkrete Reformvorschläge vorgelegt. Die bevorzugte Lösung wäre eine gesetzliche Klarstellung, nach der landwirtschaftliche Flächen auch während einer befristeten Nutzung durch Photovoltaik weiterhin als land- und forstwirtschaftliches Vermögen gelten.

Alternativ schlägt der Verband vor, einen eigenständigen steuerlichen Begünstigungstatbestand für Freiflächen-Photovoltaik zu schaffen. Denkbar wären beispielsweise spezielle Freibeträge oder Bewertungsabschläge, die die besondere Rolle solcher Projekte für die Energiewende berücksichtigen.

Aus Sicht der Branche würde eine solche Regelung Investitionssicherheit schaffen und gleichzeitig die Interessen von Grundstückseigentümern schützen.

Die Hauptgeschäftsführerin des BDEW, Kerstin Andreae, warnt vor negativen Folgen:

„Das schafft Unsicherheit, erschwert Pachtverträge und bremst den Ausbau von PV-Freiflächenanlagen.“

Mit dieser Einschätzung verweist Andreae auf die praktischen Auswirkungen der aktuellen Rechtslage. Viele Eigentümer müssten bei langfristigen Entscheidungen nicht nur die laufenden Pachteinnahmen, sondern auch mögliche steuerliche Konsequenzen für kommende Generationen berücksichtigen.

Landwirtschaft und Solarenergie stärker verbinden

Die Diskussion zeigt erneut, wie eng die Themen Landwirtschaft, Flächennutzung und Energiewende inzwischen miteinander verknüpft sind. Während Agri-Photovoltaik bereits verschiedene Möglichkeiten der gleichzeitigen landwirtschaftlichen und energetischen Nutzung bietet, betrifft die aktuelle Debatte vor allem klassische Freiflächenanlagen auf verpachteten Grundstücken.

Branchenverbände weisen darauf hin, dass Landwirte eine wichtige Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien spielen. Zusätzliche Einnahmen aus Solarprojekten können dazu beitragen, Betriebe wirtschaftlich zu stabilisieren und neue Investitionen zu ermöglichen.

Darüber hinaus betonen Experten, dass verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen entscheidend sind, um das Potenzial von Freiflächen-Photovoltaik vollständig auszuschöpfen. Wenn Grundstückseigentümer aufgrund möglicher steuerlicher Nachteile zögern, Flächen für Solarprojekte bereitzustellen, könnten wichtige Ausbauziele der Energiewende gefährdet werden. Eine Anpassung der gesetzlichen Vorgaben würde daher nicht nur Landwirten mehr Planungssicherheit bieten, sondern auch den Ausbau klimafreundlicher Stromerzeugung in ländlichen Regionen unterstützen.

BDEW fordert Reform des Erbschaftsrechts: Politik steht vor einer Grundsatzentscheidung

Ob die Bundesregierung die Forderungen des BDEW aufgreifen wird, bleibt derzeit offen. Die Diskussion berührt sowohl steuerrechtliche Fragen als auch energiepolitische Ziele. Befürworter einer Reform argumentieren, dass bestehende Regelungen nicht mehr zu den Anforderungen der Energiewende passen und modernisiert werden müssten.

Fest steht: Der Ausbau der Solarenergie soll in den kommenden Jahren deutlich beschleunigt werden. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, werden neben Genehmigungsprozessen und Netzausbau zunehmend auch steuerliche Rahmenbedingungen zu einem entscheidenden Faktor.

Sollte der Gesetzgeber die vom BDEW vorgeschlagenen Änderungen umsetzen, könnten Landwirte und Grundstückseigentümer künftig mit größerer Sicherheit Flächen für Solarparks bereitstellen. Das würde nicht nur Investitionen erleichtern, sondern auch den Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik in Deutschland weiter voranbringen.

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