
Der deutsche Photovoltaik-Ausbau erreicht EEG-Zwischenziel für 2026. Nach einer Auswertung des Marktstammdatenregisters sind inzwischen 128 Gigawatt Solarleistung installiert. Damit ist ein im Erneuerbare-Energien-Gesetz für Ende 2026 vorgesehener Meilenstein bereits erreicht. Für das wesentlich ambitioniertere Ausbauziel bis 2030 muss das Tempo in den kommenden Jahren allerdings noch einmal deutlich steigen.
Der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht für Ende 2026 eine installierte Photovoltaik-Leistung von insgesamt 128 Gigawatt vor. Nach Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar) wurde diese Schwelle nun überschritten.
Ende Juli hatte die Bundesnetzagentur eine kumulierte installierte Photovoltaik-Leistung von knapp 127,4 Gigawatt ausgewiesen. Zusammen mit den seitdem im August neu installierten Anlagen reicht der Zubau aus, um die gesetzlich vorgesehene Marke von 128 Gigawatt zu erreichen.
Damit liegt Deutschland beim aktuellen EEG-Zwischenziel im Plan. Für die kommenden Jahre wird die Herausforderung jedoch größer. Das nächste zentrale Ziel liegt bereits fest: Bis 2030 sollen Photovoltaikanlagen mit insgesamt 215 Gigawatt Leistung installiert sein.
Zwischen dem aktuell erreichten Stand von 128 Gigawatt und dem Ziel für 2030 liegen noch 87 Gigawatt. Daraus ergibt sich ein erheblicher zusätzlicher Ausbaubedarf.
Nach den aktuellen Berechnungen müssten in den kommenden Jahren durchschnittlich rund 20 Gigawatt Photovoltaik-Leistung pro Jahr neu hinzukommen. Damit wäre ein höheres Ausbautempo erforderlich als in den beiden vergangenen Jahren.
Sowohl 2024 als auch 2025 wurden jeweils rund 17,5 Gigawatt zusätzliche Photovoltaik-Leistung installiert. Der jährliche Zubau müsste somit noch einmal um mehrere Gigawatt steigen, damit die für 2030 festgeschriebene Marke erreichbar bleibt.
Langfristig sind die Ziele sogar noch deutlich größer. Für das Jahr 2040 sieht die gesetzliche Planung eine installierte Photovoltaik-Leistung von insgesamt 400 Gigawatt vor.
Das Erreichen der aktuellen 128-Gigawatt-Marke ist deshalb zwar ein wichtiges Signal für die Entwicklung des deutschen Solarmarktes, stellt aber lediglich eine Zwischenetappe dar.
Die Zahlen verdeutlichen, welche Dimension der weitere Ausbau annehmen muss. Deutschland benötigt innerhalb weniger Jahre zusätzliche Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 87 Gigawatt.
Dafür werden unterschiedliche Marktsegmente eine Rolle spielen. Neben klassischen Photovoltaikanlagen auf privaten Wohngebäuden gehören dazu größere Dachanlagen auf Gewerbe- und Industrieimmobilien sowie Solarparks auf Freiflächen.
Auch neue Anlagenkonzepte können zusätzliche Flächenpotenziale erschließen. Dazu zählen beispielsweise Agri-Photovoltaik, Parkplatz-PV und weitere Formen der Mehrfachnutzung von Flächen.
Entscheidend wird sein, dass ausreichend neue Projekte entwickelt, finanziert, genehmigt und schließlich an das Stromnetz angeschlossen werden können. Ein rein rechnerischer Ausbaupfad reicht deshalb nicht aus. Auch Netzinfrastruktur, Speicher und regulatorische Bedingungen müssen mit dem steigenden Anteil der Solarenergie Schritt halten.
Während das Zwischenziel für 2026 erreicht ist, blickt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) mit Sorge auf geplante politische Veränderungen.
Nach Einschätzung des Verbandes könnten die geplante Novelle des EEG und das sogenannte Netzpaket dazu führen, dass Investitionen in neue Photovoltaikanlagen weniger attraktiv werden. Kritisch betrachtet der Verband unter anderem mögliche Änderungen bei der Förderung kleiner Solaranlagen.
Darüber hinaus geht es um eine stärkere Verpflichtung zur Direktvermarktung des erzeugten Solarstroms sowie um mögliche Einschränkungen bei Entschädigungszahlungen, wenn Anlagen aufgrund von Netzengpässen abgeregelt werden müssen.
Der BSW Solar befürchtet, dass solche Änderungen neue Investitionshürden schaffen könnten. Dies wäre aus Sicht des Verbandes problematisch, weil ausgerechnet in den kommenden Jahren eine Beschleunigung des Photovoltaik-Ausbaus notwendig ist, um die gesetzlichen Ziele einzuhalten.
Der Bundestag soll sich nach der Sommerpause mit den entsprechenden Gesetzesentwürfen beschäftigen.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, betont angesichts der weiteren Ausbauziele die Bedeutung stabiler Investitionsbedingungen. Dazu führt er Folgendes aus:
„An einem starken Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern führt energie- und klimapolitisch kein Weg vorbei.“
Aus Sicht des Verbands brauchen Unternehmen und private Investoren verlässliche Rahmenbedingungen, damit ausreichend Kapital in neue Solarprojekte fließt. Verschlechterten sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für neue Anlagen, könnte dies den bislang erreichten Ausbau bremsen.
Besonders relevant ist diese Diskussion angesichts des benötigten jährlichen Zubaus. Während die aktuelle Zielmarke von 128 Gigawatt erreicht wurde, reicht eine Fortschreibung des bisherigen Ausbautempos nicht aus, um auch die kommenden Ziele sicher zu erfüllen.
Damit verschiebt sich die politische und wirtschaftliche Diskussion zunehmend von der Frage, ob Photovoltaik in Deutschland weiter ausgebaut wird, hin zur Frage, unter welchen Bedingungen die notwendige Geschwindigkeit erreicht werden kann.
Mit jedem zusätzlichen Gigawatt Photovoltaik wächst zugleich die Bedeutung der Integration des erzeugten Stroms in das Energiesystem.
Solaranlagen produzieren besonders viel Energie während der sonnenreichen Stunden des Tages. Stromverbrauch und Solarstromproduktion stimmen jedoch nicht immer zeitlich überein. Je größer die installierte Photovoltaik-Leistung wird, desto wichtiger werden deshalb flexible Verbraucher, leistungsfähige Stromnetze und Batteriespeicher.
Speicher können Solarstrom aufnehmen, wenn die Produktion hoch ist, und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereitstellen. Dadurch können Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden.
Dass der BSW Solar den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern gemeinsam betrachtet, ist daher kein Zufall. Mit Blick auf die für 2030 vorgesehenen 215 Gigawatt Photovoltaik wird die Frage der Systemintegration immer wichtiger.
Der reine Bau zusätzlicher Module ist nur ein Teil der Aufgabe. Parallel dazu muss die Infrastruktur entstehen, die große Mengen schwankender erneuerbarer Stromproduktion aufnehmen und sinnvoll verteilen kann.
Die erreichten 128 Gigawatt zeigen, wie stark Photovoltaik inzwischen zum deutschen Stromsystem gehört. Gleichzeitig machen die nächsten Ausbauziele deutlich, dass die Branche vor einer neuen Phase steht.
Der Zubau der vergangenen Jahre war bereits erheblich. Rund 17,5 Gigawatt neue Leistung in den Jahren 2024 und 2025 zeigen, dass der Markt grundsätzlich in der Lage ist, große Mengen neuer Photovoltaikleistung bereitzustellen.
Für das 2030-Ziel reicht dieses Niveau jedoch nicht aus. Benötigt werden künftig im Durchschnitt rund 20 Gigawatt pro Jahr. Dafür müssen nicht nur ausreichend Module und Installationskapazitäten verfügbar sein. Ebenso wichtig sind Projektflächen, Netzanschlüsse, Finanzierungsmöglichkeiten und kalkulierbare regulatorische Rahmenbedingungen.
Gerade bei größeren Solarprojekten spielen Planungssicherheit und langfristige wirtschaftliche Perspektiven eine zentrale Rolle. Investoren müssen einschätzen können, unter welchen Bedingungen eine Anlage über viele Jahre betrieben und der produzierte Strom vermarktet werden kann.
Politische Veränderungen, die unmittelbar in diese Kalkulation eingreifen, können deshalb Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen haben.
Das vorzeitig erreichte EEG-Zwischenziel für 2026 ist zunächst eine positive Nachricht für den deutschen Photovoltaikmarkt. Innerhalb weniger Jahre ist die installierte Solarleistung deutlich gestiegen und hat nun die Marke von 128 Gigawatt überschritten.
Für die Energiewende ist damit allerdings nur ein weiterer Schritt geschafft.
Bis 2030 müssen noch 87 Gigawatt hinzukommen. Gleichzeitig steigt mit der installierten Solarleistung der Bedarf an Speichern, Netzausbau und intelligenten Lösungen zur Integration erneuerbarer Energien.
Die kommenden politischen Entscheidungen könnten deshalb erheblichen Einfluss darauf haben, ob Deutschland seinen bisherigen Ausbaupfad fortsetzen und sogar beschleunigen kann.
Das Erreichen der aktuellen Zielmarke zeigt, dass hohe Zubauraten grundsätzlich möglich sind. Nun kommt es darauf an, dieses Wachstum über mehrere Jahre aufrechtzuerhalten und weiter zu steigern. Entscheidend werden dabei nicht nur technologische Fortschritte und sinkende Kosten sein, sondern auch die Frage, ob Investoren, Unternehmen und private Anlagenbetreiber langfristig verlässliche Bedingungen vorfinden.
Die 128 Gigawatt sind damit weniger ein Endpunkt als der Start in die nächste Ausbauetappe. Bis zum EEG-Ziel von 215 Gigawatt im Jahr 2030 muss Deutschland beim Photovoltaik-Ausbau noch einmal deutlich zulegen.