
Die Bundesnetzagentur sieht bei Konsultation zum zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 den Stromnetz-Ausbau für die Energiewende auf dem Prüfstand. Bürger, Unternehmen und Verbände können bis August dazu Stellung nehmen. Der Plan legt die Grundlage für den Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes und soll sicherstellen, dass der wachsende Anteil der Erneuerbaren künftig zuverlässig transportiert werden kann.
Die Bundesnetzagentur hat die Konsultation des zweiten Entwurfs des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 gestartet. Damit beginnt eine wichtige Phase der öffentlichen Beteiligung, bei der Unternehmen, Verbände, Kommunen und Bürgerinnen und Bürger ihre Stellungnahmen einreichen können.
Der Netzentwicklungsplan gilt als zentrales Instrument für die Planung des deutschen Höchstspannungsnetzes und bildet die Grundlage für zahlreiche Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre.
Angesichts des rasanten Ausbaus von Wind- und Solarenergie gewinnt der Ausbau der Stromnetze zunehmend an Bedeutung. Denn nur wenn ausreichend Transportkapazitäten vorhanden sind, kann erneuerbar erzeugter Strom zuverlässig von den Erzeugungsregionen zu den Verbrauchszentren gelangen.
Im aktuellen Entwurf schlagen die Übertragungsnetzbetreiber insgesamt 159 Maßnahmen vor. Nach einer vorläufigen Prüfung stuft die Bundesnetzagentur jedoch lediglich 118 Projekte als bestätigungsfähig ein.
Die Behörde verfolgt damit das Ziel, den notwendigen Netzausbau effizient zu gestalten und gleichzeitig die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft im Blick zu behalten.
Ein Teil der Maßnahmen befindet sich bereits im Bundesbedarfsplan oder in laufenden Gesetzgebungsverfahren. Andere Projekte werden neu bewertet oder zeitlich vorgezogen, weil sich die Rahmenbedingungen der Energiewende schneller verändern als ursprünglich erwartet.
Der geplante Ausbau des deutschen Stromnetzes zählt zu den größten Infrastrukturvorhaben der kommenden Jahrzehnte. Angesichts des steigenden Strombedarfs durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien steht die Bundesnetzagentur vor der Herausforderung, Versorgungssicherheit, Klimaziele und Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang zu bringen. Entsprechend sorgfältig prüft die Behörde die vorgeschlagenen Maßnahmen im aktuellen Netzentwicklungsplan.
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer ausgewogenen Netzplanung und verwies auf die Notwendigkeit, sowohl die Stabilität der Stromversorgung als auch die Kosten für Verbraucher und Unternehmen im Blick zu behalten.
„Eine sichere und zuverlässige Stromversorgung, gut vernetzt mit unseren europäischen Nachbarn, ist essenziell. Gleichzeitig müssen wir die Kosten im Griff behalten“, so Klaus Müller zum Ansatz seiner Behörde.
Mit dieser Aussage macht Müller deutlich, dass der Ausbau des Stromnetzes zwar unverzichtbar für das Gelingen der Energiewende ist, gleichzeitig aber wirtschaftlich vertretbar bleiben muss. Die Bundesnetzagentur verfolgt deshalb das Ziel, nur solche Projekte zu bestätigen, die einen nachweisbaren Beitrag zur Netzstabilität und zur Integration erneuerbarer Energien leisten.
Die Aussage des Behördenchefs verdeutlicht zudem die wachsende Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit im Energiesektor. Durch eine stärkere Vernetzung mit den Strommärkten der Nachbarländer sollen Versorgungssicherheit erhöht, Engpässe reduziert und die Integration von Wind- und Solarstrom erleichtert werden. Der aktuelle Netzentwicklungsplan soll damit nicht nur die Infrastruktur in Deutschland stärken, sondern auch die Voraussetzungen für ein leistungsfähiges und zukunftssicheres europäisches Energiesystem schaffen.
Neben dem Ausbau nationaler Stromtrassen gewinnen auch grenzüberschreitende Stromverbindungen zunehmend an Bedeutung. Die Bundesnetzagentur prüft zusätzliche Interkonnektoren zu europäischen Nachbarstaaten, um den Stromhandel zu erleichtern und die Stabilität des Energiesystems zu stärken.
Vor allem bei der wetterabhängigen Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen bieten internationale Verbindungen große Vorteile. Strom kann flexibel dorthin transportiert werden, wo er gerade benötigt wird. So lassen sich regionale Engpässe besser ausgleichen und erneuerbare Energien effizienter nutzen.
Gleichzeitig erhöht eine stärkere Vernetzung die Versorgungssicherheit innerhalb Europas. Die geplanten Verbindungen sollen daher nicht nur das deutsche Stromnetz entlasten, sondern auch die Integration des europäischen Energiemarktes weiter vorantreiben.
Deutschland befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Transformation seines Energiesystems. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern, die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Wärme sowie der steigende Strombedarf der Industrie verändern die Anforderungen an die Infrastruktur grundlegend.
Der Netzentwicklungsplan bildet dabei die zentrale Grundlage für den bedarfsgerechten Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes. Er soll sicherstellen, dass neue Stromerzeugungskapazitäten aus Wind- und Solaranlagen rechtzeitig an das Netz angebunden werden und die erzeugte Energie zuverlässig zu Haushalten, Gewerbebetrieben und Industrieunternehmen gelangt. Gleichzeitig berücksichtigt der Plan die künftig steigende Stromnachfrage, die durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die Dekarbonisierung energieintensiver Branchen entsteht.
Verzögerungen beim Netzausbau könnten dazu führen, dass erneuerbare Energien nicht vollständig genutzt werden können. Gleichzeitig würden die Kosten für Netzengpassmanagement und Redispatch-Maßnahmen steigen. Daher betrachten viele Fachleute den Netzausbau als eine der zentralen Voraussetzungen für das Erreichen der deutschen Klimaziele.
Die Konsultationsphase läuft bis zum 24. August 2026. Während dieser Zeit können interessierte Akteure Stellungnahmen zu den vorgeschlagenen Maßnahmen abgeben.
Die Bundesnetzagentur plant zudem Informationsveranstaltungen, um die Inhalte des Entwurfs zu erläutern und Fragen zu beantworten.
Nach Abschluss der Konsultation werden sämtliche Eingaben ausgewertet. Auf dieser Grundlage entscheidet die Behörde, welche Projekte endgültig bestätigt werden. Diese Vorhaben bilden anschließend die Basis für weitere Genehmigungs- und Umsetzungsverfahren.
Der neue Netzentwicklungsplan macht deutlich, dass der Erfolg der Energiewende nicht allein vom Ausbau von Wind- und Solaranlagen abhängt. Ebenso wichtig ist eine leistungsfähige Netzinfrastruktur, die den erzeugten Strom zuverlässig zu den Verbrauchszentren transportieren kann. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien steigen auch die Anforderungen an das deutsche Höchstspannungsnetz kontinuierlich.
Neben neuen Stromtrassen gewinnen zunehmend auch Batteriespeicher an Bedeutung. Sie können überschüssigen Solar- und Windstrom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Dadurch tragen sie dazu bei, Netzengpässe zu reduzieren, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und die Integration erneuerbarer Energien effizienter zu gestalten. Viele Experten sehen daher in der Kombination aus Netzausbau und Speichertechnologien einen entscheidenden Baustein für ein stabiles und klimafreundliches Energiesystem.
Die gestartete Konsultation bietet nun die Möglichkeit, die künftige Ausrichtung der Strominfrastruktur mitzugestalten. Gemeinsam mit Offshore-Anbindungen, einer stärkeren europäischen Vernetzung und dem Ausbau von Speicherkapazitäten soll der Netzentwicklungsplan die Grundlage für eine sichere, wirtschaftliche und nachhaltige Stromversorgung schaffen. Damit zählt er zu den wichtigsten energiepolitischen Projekten Deutschlands auf dem Weg zur Klimaneutralität.